Sonntag, 25. April 2010

Moros y Christianos

Hola aus Alicante!

Der Umzug nach Alicante ist nun vollständig vollzogen und wir haben uns nach unserer ersten Woche hier schon richtig gut eingelebt.
Den Anfang haben wir in Sebastians Wohnung gemacht, weil dort das größere Bett steht. Die erste Nacht war etwas ungewohnt, da das Haus sehr hellhörig ist und somit viele neue Geräusche zu beobachten waren, die wir ersteinmal zuordnen mussten. Die Wohnung liegt nah am Hafen, so dass man durchaus auch die Schiffshörner etc hört. 
Spät am Dienstagabend haben wir dann auch Sebastians Mitbewohner kennengelernt, als diese gegen 22h aus Madrid ankamen. Es ist ein Pärchen, dass sich, wie wir im Laufe der Woche noch rausgefunden haben, vor ca 2 Wochen in Madrid kennen- und lieben gelernt haben und jetzt sofort in Alicante zusammengezogen sind. (ja ihr habt richtig gelesen!) Sie ist eine polnische Erasmus-Studentin, die eigentlich Spanisch und Italienisch studiert, hier in Elche aber ein Journalismus Semester macht. Ihr Freund hat einen Abschluss in Wirtschaft, muss aber um in Spanien arbeiten zu können erst noch ein spanisches Examen machen. Wir lassen uns also mal überaschen, wie sich das innerhalb der nächsten 2 Monate so entwickelt...
Die nächsten Tage haben wir dann sowohl bei Conni, als auch bei Sebastian verbracht, und haben auch Connis Mitbewohner näher kennengelernt. Insgesamt wohnen noch 3 weitere Personen mit Conni zusammen, ein Portugiese und ein kanadisches Pärchen. Der Portugiese Paolo ist so weit wir das bis jetzt beurteilen können sehr nett, allerdings so gut wie nie zu Hause, so dass wir ihn immer nur für wenige Sekunden bis Minuten gesehen haben. Nicole und Rafael, das kanadische Pärchen (wobei sie ursprünglich aus Beijing und er aus Malta kommt), sind sehr nett und wir haben dieses Wochenende schon einiges mit den beiden unternommen.
Am Freitag haben wir uns von den beiden in das hiesige Nachtleben einführen lassen. Nachdem wir uns in der Wohnung bei Whisky etwas ausführlicher unterhalten haben, sind wir gegen 1.30h losgezogen, um das Szeneviertel Alicantes zu erkunden. Das "Barrio", wie es genannt wird, ist nur ca 10 Minuten zu Fuss entfernt und bietet eine Menge Bars und Clubs. Da es auch zu so später Stunde noch sehr mild hier ist, sind aber nicht nur die Bars selber gut gefüllt, sondern auch die kleinen Gässchen dazwischen sind voller junger Leute, die gut gelaunt miteinander lachen und tanzen. Man hat wirklich das Gefühl, dass das ganze Viertel Party macht und es eigentlich egal ist, ob und wo man denn jetzt reingeht, eine wirklich sehr angenehme und entspannte Atmosphäre.
Allzu spät haben wir es dann aber nicht mehr werden lassen, da wir am nächsten Tag einen Ausflug geplant hatten und somit nicht bis in die Puppen ausschlafen konnten. Am Freitag hatte Connis Oberarzt ihr den Tipp gegeben, dass in Alcoy, einem Ort ca 1h von Alicante entfernt an diesem Wochenende "Moros y Christianos" stattfinden würde. Das ist eine Erinnerung an die Kämpfe zwischen den Christen un Mauren an der Küste Spaniens im Mittelalter und findet zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr in fast jeder Stadt hier an der Costa Blanca statt. Die Feiern in Alcoy sind wohl nicht irgendeins dieser Festivals, sondern DAS Festival überhaupt. Selbstverständlich wollten wir uns das nicht entgehen lassen!

Also haben wir uns am Samstagmorgen mit Nicole und Rafael auf den Weg nach Alcoy begeben. Der Tag war perfekt für diesen Ausflug, strahlender Sonnenschein, nicht eine Wolke am Himmel und ein leichter Wind. In Alcoy angekommen haben wir das Spektakel schon lange bevor wir es sehen konnten, gehört. So war es dann auch ein leichtes für uns den Schauplatz des Spektakels zu finden, einfach dem Gehör nach.
Es hat auch nicht lange gedauert, bis wir die ersten in prachtvolle Kostüme gekleideten Menschen gesehen haben, wie sie Sich ihren Weg durch die Strassen gebahnt haben. Die Moros und Christianos kamen in organisierten Gruppen aus nahezu allen Richtungen der Stadt und hatten alle das gleiche Ziel: Den Marktplatz im Zentrum, wo die Burg, also das Symbolische Ziel der Kämpfe lag. Mit viel Lärm und Rauch aus den Vorderladern der Krieger, die mit Schwarzpulver gefüllt wurden und immer wieder in die Luft abgefeuert wurden, schlängelte sich also alles auf den Höhepunkt an der Burg zu. Auf dem Burgvorplatz kam es dann zum Showdown zwischen den beiden Völkern, einem gut inszenierten Schwertkampf zwischen den Häuptlingen, der mit der Eroberung der Festung durch die Moros endete. Ein wirklich beeindruckendes Spektakel.
Später am Tag wurde der Kampf dann noch weitergeführt und die Christianos haben endgültig gewonnen.

In der Zwischenzeit hatten wir uns aber schon auf den Weg nach Guadalest gemacht, was Rafael uns als wunderschönen Ort in den Bergen angekündigt hatte.
Er hat Recht! Allein der Weg von Alcoy nach Guadalest war wunderschön, unendlich lange Serpentinen durch die Berge Spaniens mit nichts als Natur um uns herum. Nachdem wir einige kleine Bergdörfer passiert hatten, haben wir schon von weitem unser Ziel gesehen: Ein Castell, dass auf einer Anhöhe über einem Stausee thront! Ein beeindruckender Anblick! Natürlich sind wir noch zum Castell gegangen und haben den Ausblick von dort oben genossen. Am Fusse des Castells der hellgrün schimmernde Stausee, der Blick durch die Bergtäler mit den kleinen Nachbardörfern, oder einfach nur die leichten Wolken über den Berggipfeln, wirklich wunderschön!
Nach einem Mittagssnack im Burgrestaurant haben wir dann unsere Heimreise angetreten und diesen tollen Tag abgeschlossen. Das letzte Abenteuer an diesem Tag erwartete uns dann in Alicante... Einen Parkplatz in der Nähe zu finden, auf dem man auch für längere Zeit stehen bleiben darf... aber auch das ist uns nach einiger Zeit gelungen und wir konnten uns noch einen gemütlichen Abend machen.

Wir hoffen, ihr habt bis zum Ende durchgehalten und nicht mittendrin die Waffen gestreckt! Wir werden uns gleich zum Strand begeben und das schöne Wetter geniessen. 

C und S

Sonntag, 18. April 2010

Wir haben eine Wohung...!

...und zwar, genaugenommen, jeder eine!

Hallo Ihr Lieben!

Ja, Ihr habt richtig gelesen, endlich heißt es nicht nur "Abenteuer Spanien", sondern "Abenteuer Alicante". Nach 3 Wochen im Ferienhaus von Connis Eltern haben wir nun heute die Schlüssel für unsere neue Bleibe in Alicante bekommen.
Letzte Woche hatten wir noch von den Wohungen berichtet, die wir angeschaut haben. Da wir auf dem online-Portal, wo wir suchten und inseriert hatten, noch eine Anfrage einer spanischen WG hatten, die wir sehr interessant fanden, wollten wir noch warten, ob sich dort noch etwas tut. Außer der ersten email von deren Seite haben wir nie wieder etwas gehört.
Wir hatten uns selbst als Deadline dieses Wochenende gesetzt und deshalb heute morgen bei der Dame angerufen, die uns am Montag die schönste der Wohungen gezeigt hatte, die wir besichtigt haben. Diese Wohnung hat 3 Zimmer: zwei Einzel- und ein Doppelzimmer, sie war nicht bewohnt, was uns als einizger Nachteil erschien. Als wir der Vermieterin nun sagten, wir würden gerne einziehen, teilte sie uns mit, dass nun leider nur noch ein Einzelzimmer frei sei...
Erstmal waren wir etwas verblüfft, am Montag sagte sie noch, sie habe keinerlei andere Interessenten. Wir sagten Ihr aber dennoch zu, in der Hoffnung, dass in der anderen Wohung, die wir am Montag gesehen haben, noch ein Zimmer zu haben sei - war es! Diese Wohung liegt schätzungsweise 200m um die Ecke von der anderen. Man kann es sich so vorstellen, dass die beiden Häuser sich einen Innenhof teilen, und in einer Art L-Form aneinander grenzen. Die Lage ist außerdem super: zwei Parallelstrassen vom Meer entfernt!
Diese Wohung ist etwas älter und deshalb leicht renovierungsbedürftig - aber sauber und eigetlich sehr gemütlich. Conni wird das Zimmer in dieser Wohung beziehen; im Gegensatz zu den anderen Zimmern der Wohung liegt es im Prinzip hinter der Küche, und hat ein eigenes dazugehöriges Badezimmer! Das Zimmer ist recht groß, der Schrank riesig! Als Mitbewohner wird sie es dort mit einem kanadischen Pärchen, einem Portugiesen und einem Spanier zu tun haben!
Sebastians Zimmer ist etwas kleiner, dafür hat er ein großes Bett (was Conni dann auch mitnutzen darf...) und die Wohung ist heller und neuer. Die beiden anderen Zimmer sind an ein ungarisch-polnisches Pärchen und ein Mädchen vermietet, dessen Nationalität die Vermieterin vergessen hatte. Sie kommt auch erst zum 1. Mai, das Pärchen kommenden Dienstag.
Es wird also multikulti um uns herum und wir freuen uns sehr auf das Zusammenleben mit all diesen Leuten!
Nach der ersten Enttäuschung, nun doch nicht gemeinsam in eine Wohnung zu ziehen, sind wir inzwischen sehr zufrieden mit dieser Lösung! Wer weiß, was diese Konstellation für Vorteile haben wird!
Morgen werden wir den ersten Schwung Kleidung etc nach Alicante bringen, haben aber vor, abends nocheinmal hier ins Haus zu kommen. Es sind noch Lebensmittel hier, die wir nicht den ganzen Tag im Auto am Krankenhaus lassen wollen und irgendwie haben wir uns in den 3 Wochen ordentlich im ganzen Haus ausgebreitet, und brauchen mehr als nur heute Abend, um alles wichtige einzusammeln... ;-)

Wir grüßen Euch alle ganz lieb und wünschen Euch eine tolle Woche!

Alles Liebe,
C und S

Sonntag, 11. April 2010

Alicante und Denia – Wohnungssuche und ein Ausflug

Die letzte Woche verging für uns wie im Fluge!
Da sich im Krankenhaus nicht viel Spannendes ereignet hat, gab es nicht viel zu berichten. Wir sind beide noch immer sehr zufrieden mit unseren „Stellen“ und merken täglich Fortschritte beim Spanisch verstehen und auch sprechen.

Am Donnerstag Nachmittag haben wir uns dann endlich zum ersten Mal Alicante angesehen – gemeinsam mit unseren „Buddys“, den Spaniern Daniel und Laura, ebenfalls Medizin-Studenten, die sich unglaublich herzlich und lieb um uns kümmern, uns helfen, die Stadt zeigen und es uns sehr leicht machen, uns willkommen zu fühlen.
Alicante liegt direkt am Meer, hat einen tollen Strand direkt daran anschließend den Yachthafen. Die Promenade parallel zum Wasser ist gesäumt von großen Bäumen, die eine wunderschöne Allee bilden und vielen Verkaufsständen, wo der normale Tourist sich mit Schmuck, Kleidung und allerlei Krimskrams eindecken kann. Laura und Daniel führten uns die „Rambla“ entlang, die große und breite Einkaufsstrasse, auf der sich ein Großteil des Lebens von Alicante abspielt. Sie zeigten uns kleine Gässchen, eine der Burgruinen oberhalb der Stadt, wir tranken gemeinsam Kaffee, kauften uns spanische Handy-Karten und plötzlich waren vier Stunden rum! Wir hatten so eine nette Zeit zusammen, haben uns richtig gut verstanden (sowohl sprachlich als auch persönlich) und viel miteinander gelacht. Es war erstaunlich zu bemerken, wie viel besser unsere spanischen Kommunikations-Fähigkeiten gegen Ende waren, verglichen zu Beginn des Treffens!

Netterweise hatten die beiden uns auch bei der Wohnungssuche unterstützt , indem sie für uns einige Leute anriefen, deren Anzeigen wir gesehen hatten. (Am Telefon ist Spanisch nach wie vor sehr schwierig!) Mit einigen konnten wir für den nächsten Tag Termine zur Besichtigung ausmachen, und so haben wir uns am Freitag – diesmal alleine – auf nach Alicante gemacht und die ersten Zimmer sondiert. Gleich beim ersten mussten wir durchaus schlucken, die ganze Wohnung war dreckig und unaufgeräumt, der Bewohner, der die Tür öffnete, verschwand gleich wieder in seinem Zimmer, ohne auch nur hallo zu sagen (dazu muss man sagen, dass hier offenbar immer die Vermieter die Zimmer zeigen und die Mieter aussuchen, selbst bei WGs sind die weiteren Mitbewohner nicht unbedingt involviert; im Gegensatz zu Deutschland, wo es üblicherweise doch so ist, dass die WG-Bewohner sich die potentiellen neuen Mitbewohner anschauen). Zum Glück blieb dies die einzige Wohnung, die sich so präsentierte. 
Die zweite war eigentlich sehr süß, klein, aber nett eingerichtet, 2 weitere Personen würden dort wohnen – einziger Minuspunkt: es darf in der Wohnung geraucht werden, und das wird wohl auch genutzt. Wenn wir gar nichts anderes finden, kann man damit für eine Zeit leben, aber es scheint so viele Angebote zu geben, dass wir das nicht so einfach als gegeben hinnehmen wollen. 
Die beiden anderen Wohnungen waren im Großen und Ganzen toll, beide jedoch sehr weit ab vom Schuss und dafür recht teuer. Die eine hätte keinerlei Nebenkosten in der Miete mit beinhaltet, das wäre ein Unsicherheitsfaktor, und wir wären zunächst alleine dort gewesen, erst ab Mai mit – möglicherweise... – einem weiteren Mitbewohner. Zum Spanisch sprechen ungünstig. 
Die andere lag zur teuren Miete und der Entfernung zum Zentrum in einer lauten Strasse, so dass wir uns letztendlich bislang für keine der 4 Wohnungen entscheiden konnten. Aber nun wissen wir, was es ungefähr so auf dem Markt gibt, welche Stadtteile wir bevorzugen und haben einfach mal die Lage sondiert. Außerdem konnten wir so nochmals Alicante erkunden und müssen sagen, dass es uns wirklich gut gefällt! Wir freuen uns schon, dorthin zu ziehen – hoffentlich bald! Morgen gibt es weitere Besichtigungen!!

Den Samstag verbrachten wir nochmals ganz gemütlich mit Connis Eltern und Oma, die spät am Samstagabend nach Hause geflogen sind.

Heute, am Sonntag, haben wir einen Großteil des Tages lesend in der Sonne genossen. Warm, Sicht aufs Meer, blauer Himmel – toll. Am Nachmittag sind wir dann aufgebrochen, um einen Ausflug nach Denia zu machen. Conni war vor über 10 Jahren einmal dort, Sebastian noch nie, so dass wir beide sehr gespannt waren. Schon die Fahrt war klasse! Bergig, viele Serpentinen, tolle Ausblicke hinter jeder Kurve, es hat richtig Spaß gemacht, die Gegend zu erkunden. In Denia haben wir uns den erstbesten Parkplatz genommen und uns einfach treiben lassen. Mal hier in ein kleines, uriges Gässchen, dann dort zu dem gemütlichen Platz – ohne Ziel und immer dem momentanen Gefühl folgend sind wir so durch Denia geschlendert. Es hat uns sehr gut gefallen.
Als es dann etwas kühler wurde, haben wir den Heimweg angetreten. Hier hat Sebastian uns gerade ganz lecker bekocht, und nun sitzen wir zusammen, lassen den Tag Revue passieren und freuen uns auf die neue Arbeitswoche!

Euch allen einen guten Start am Montag!

Saludos,
C und S

Montag, 5. April 2010

Ostern

4 Tage arbeiten, 4 Tage frei - ein wirklich ausgeglichener Start! :-)
Heute, am Ostermontag Abend bereiten wir uns langsam wieder auf die neue Arbeitswoche vor, vorher soll aber (für Euch und für uns) zuerst der Blick auf die zurückliegenden Tage erfolgen!

Nachdem wir am Donerstag nachmittag ja Daniel, Sebastians "buddy" getroffen hatten, empfing uns der Karfreitag Morgen mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel! Perfekt für ein gemütliches Frühstück im Freien! So gestärkt haben wir die Oma "eingepackt" und sind allesamt hier im Ort auf den Wochenmarkt, wo es alles gibt, was das Herz begehrt: neben Lederwaren und Schuhen, Kleidung und Keramik auch Obst und Gemüse zu extrem günstigen Preisen! Klar haben wir auch einige Dinge gekauft, während wir die staunende Oma im Rollstuhl an den vielfältigen Ständen vorbeigeschoben haben.
Nach einem enspannten Nachmittag in der Sonne ging es dann mit der Kamera bewaffnet ein wenig die Küstenstrasse entlang, wo wir den Blick aufs Meer und die Felsen sehr genossen haben. Abends erwartete uns dann ein spanisch-touristisches Spektakel: in Calpe sahen wir uns die Karfreitags-Prozession an, die in der Dämmerung begann. Mit einer großen Menge lila gekleideter Menschen, deren Gewänder und Kopfbedeckungen denen des Ku-Klux-Klans ähnelten, begann der Umzug. Langsam schritten die Teilnehmer an uns vorbei, man hörte Blasmusik und Trommeln, die viel weniger traurig und mystisch klangen, als erwartet. 
Den lila Menschen folgte eine Gruppe, die auf ihren Schultern eine ca. lebensgroße Statue transportierten, die Jesus am Kreuz zeigte. Bedächtig schritten auch sie an uns vorüber, hielten immer wieder an und wiegten sich hin und her. Die zweite Gruppe Träger schulterte einen durchsichtigen Sarg mit dem Leichnam Jesu, als drittes folgte eine gewaltige Madonnen-Statue. Ihr Umhang war unglaublich imposant, alles sehr spanisch-kitschig, etwas überladen, aber es passte zusammen!
Eine wie wir gesagt bekamen eher kleine Prozesion, aber durchaus schön!

Samstag und Sonntag brachten außer jeweils einem Mittagessen mit Freunden von Connis Eltern nicht viel Erzählenswertes, erst heute unternahmen wir wieder einen kleinen Ausflug auf den nahegelegenen Berg "Punta de Moraira", der relativ weit ins Meer hineinragt und von wo aus man eine tolle Sicht über den kleinen Ort hier, über Calpe und Benidorm auf der einen Seite hat, in die andere Richtung zum "Cabo de la Nao", welches den östlichen Punkt des spanischen Festlandes bildet. Wind, Meeresrauschen, Möwen über unseren Köpfen - einfach schön!
Morgen geht es dann, wie gesagt, wieder in die Klinik, wir sind gespannt, was diese Woche für uns bereithält und freuen uns, Euch bald von hoffentlich vielen besonderen Erlebnissen zu berichten!
Euch allen ebenfalls einen guten Start!

C und S

Freitag, 2. April 2010

Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen

Die erste Woche im spanischen Krankenhaus ist vorbei; es war eine kurze Woche, heute müssen wir nicht arbeiten, da Karfreitag und somit Feiertag ist.  Nun ist es an der Zeit all die Eindrücke zu sammeln und zu sortieren.

Jeden Morgen fahren wir so los, dass wir einen wunderschönen Sonnenauf- und Monduntergang erleben. Da in den letzten Tagen Vollmond war, ein besonderer Anblick.

Vom Montag hatten wir ja schon berichtet. Die nächsten Tage gestalteten sich teilweise etwas anders, da Sebastian ab Mittwoch im OP sein durfte. Leider allerdings nur als „stiller Beobachter“, also nicht mit am OP-Tisch. Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder Unbekannt im OP zunächst mal deutlich in seine Grenzen gewiesen wird (weg von allen blauen oder grünen Flächen zu bleiben) werden die Studenten hier aufgefordert, möglichst nah zu kommen, weil sie ja sonst gar nichts sehen. OP-Schuhe für Studenten gibt es auch nicht – man trägt die normalen Straßenschuhe mit Plastik-Überziehern.
Überhaupt wird die in Deutschland so groß geschriebene Hygiene hier ganz anders gehandhabt. Nicht-sterile Personen dürfen die sterilen durchaus anfassen, und da Ärzte scheinbar sowieso immun sind, gilt die „Verkleidungs“-Pflicht  im Isolierzimmer auch nur für Angehörige. So erlebte es Conni auf einer Visite. Auf die Frage, was der Patient denn habe, kam dann als Antwort „Ach nur einen multiresistenten Keim weiter nichts“... Diese Keime sind in Deutschland offenbar viel gefährlicher als hier! ;-)

Bei Conni liefen die Tage ähnlich ab wie der Montag: 4-6 Patienten Visite, hin und wieder eine Sprechstunde – wobei „eine“ durchaus als „1“ zu verstehen ist, es kam nämlich genau 1 Patient. Die Visite, bei der Sebastian in der Chirurgie mitläuft erinnert eher an heimatliche Visiten: alle Ärzte incl. Chef, eine Schwester und eben die Studenten sind dabei. Im Moment ist noch eine weitere deutsche PJ’lerin in der Chirurgie, die Basti immer wieder noch wertvolle Tipps geben kann – da bekommen die beiden vom Chef dann immer eine augenzwinkerndes „en espanol, por favor!“ zu hören.
Auch auf den Stationen gibt es deutliche Unterschiede zu unseren Krankenhäusern: auf der Inneren (erstaunlicherweise im krassen Gegensatz zur Chirurgie) herrscht ein unwahrscheinliches Durcheinander! Nicht nur, dass in den Schwestern-Bereichen alles sehr unordentlich ist, auch auf den Fluren steht alles im Weg: Putzwagen, Medikamentenwagen, Mülleimer, Patienten und ihre Angehörigen... ;-) Im Ernst: alle Patienten scheinen den ganzen Tag Besuch zu haben. Zum Einen sieht man das auf Visite, wenn immer die halbe Familie dabei ist (und zwar nicht nur des zu Visitierenden, sondern auch des Bettnachbarn), zum Anderen stehen dort alle Türen immer offen. In jedem Zimmer ist großer Trubel: der Fernseher läuft, alle Angehörigen und Patieten schnattern fröhlich und laut miteinander, wenn es dann doch mal zu laut wird, verlegen sie ihr Gespräch auf den Flur. Wenn es ihnen möglich ist,  wackeln die Patienten hinterher, stehen dann in den lustigen blauen Nachthemdchen oder Pyjamas auf dem Flur rum (die hat hier wirklich jeder Patient an, selbt schon in der Notaufnahme bekommen sie die sofort verpasst. Praktischerweise ist das Logo und der Name des Krankenhauses drauf, falls also mal ein Patient abhanden kommt, kann er zurück gebracht werden...) Es ist also immer was los!

In der Chirurgie ist es ein wenig anders, nicht nur sind die Visiten größer, dort werden die Vorhänge die zwischen den Patientenbetten angebracht sind, zugezogen und die Angehörigen rausgeschickt. (Auf der Inneren sind alle immer da und dabei und reden auch munter mit.) Dafür gibt es nach der eigentlichen Visite eine Art Sprechstunde für Angehörige, wo sie erfahren, was weiter geplant ist etc. Datenschutz? Ärztliche Schweigepflicht? Man kommt auf den Gedanken, dass das ziemlich deutsche Erfindungen sind!?

Mit dem Spanischen klappt es nach wie vor zweigeteilt: verstehen geht viel besser als selbst sprechen! Gestern Nachmittag kam eine weitere Bewährungsprobe: von Erasmus haben wir sog. „Buddys“ zugeteilt bekommen, das sind spanische Studenten, die uns helfen sollen, uns hier zu recht zu finden. Witzigerweise sind Daniel (Sebastians Buddy) und Laura (Connis Buddy) ebenfalls ein Paar! Und Daniel haben wir nun gestern zum ersten Mal kennen gelernt – und zum ersten Mal über eine Stunde eine Unterhaltung auf Spanisch geführt. Es ging erstaunlich gut! Wir brauchten sehr wenig Wörterbuch-Hilfe, haben nur selten aufs Englische zurück gegriffen und uns ansonsten mit Händen und Füßen verständigt. Aber: es war anstrengend. Wir hatten beide danach das Gefühl, einen Knoten im Hirn zu haben...

Über die Osterfeiertage haben wir nun frei, und genießen diese mit Connis Eltern, die mit der 89jährigen Oma für die Osterferien hierher gekommen sind.

Felices Pascuas a todo!

C und S