Jeden Morgen fahren wir so los, dass wir einen wunderschönen Sonnenauf- und Monduntergang erleben. Da in den letzten Tagen Vollmond war, ein besonderer Anblick.
Vom Montag hatten wir ja schon berichtet. Die nächsten Tage gestalteten sich teilweise etwas anders, da Sebastian ab Mittwoch im OP sein durfte. Leider allerdings nur als „stiller Beobachter“, also nicht mit am OP-Tisch. Im Gegensatz zu Deutschland, wo jeder Unbekannt im OP zunächst mal deutlich in seine Grenzen gewiesen wird (weg von allen blauen oder grünen Flächen zu bleiben) werden die Studenten hier aufgefordert, möglichst nah zu kommen, weil sie ja sonst gar nichts sehen. OP-Schuhe für Studenten gibt es auch nicht – man trägt die normalen Straßenschuhe mit Plastik-Überziehern.
Überhaupt wird die in Deutschland so groß geschriebene Hygiene hier ganz anders gehandhabt. Nicht-sterile Personen dürfen die sterilen durchaus anfassen, und da Ärzte scheinbar sowieso immun sind, gilt die „Verkleidungs“-Pflicht im Isolierzimmer auch nur für Angehörige. So erlebte es Conni auf einer Visite. Auf die Frage, was der Patient denn habe, kam dann als Antwort „Ach nur einen multiresistenten Keim weiter nichts“... Diese Keime sind in Deutschland offenbar viel gefährlicher als hier! ;-)
Bei Conni liefen die Tage ähnlich ab wie der Montag: 4-6 Patienten Visite, hin und wieder eine Sprechstunde – wobei „eine“ durchaus als „1“ zu verstehen ist, es kam nämlich genau 1 Patient. Die Visite, bei der Sebastian in der Chirurgie mitläuft erinnert eher an heimatliche Visiten: alle Ärzte incl. Chef, eine Schwester und eben die Studenten sind dabei. Im Moment ist noch eine weitere deutsche PJ’lerin in der Chirurgie, die Basti immer wieder noch wertvolle Tipps geben kann – da bekommen die beiden vom Chef dann immer eine augenzwinkerndes „en espanol, por favor!“ zu hören.
In der Chirurgie ist es ein wenig anders, nicht nur sind die Visiten größer, dort werden die Vorhänge die zwischen den Patientenbetten angebracht sind, zugezogen und die Angehörigen rausgeschickt. (Auf der Inneren sind alle immer da und dabei und reden auch munter mit.) Dafür gibt es nach der eigentlichen Visite eine Art Sprechstunde für Angehörige, wo sie erfahren, was weiter geplant ist etc. Datenschutz? Ärztliche Schweigepflicht? Man kommt auf den Gedanken, dass das ziemlich deutsche Erfindungen sind!?
Mit dem Spanischen klappt es nach wie vor zweigeteilt: verstehen geht viel besser als selbst sprechen! Gestern Nachmittag kam eine weitere Bewährungsprobe: von Erasmus haben wir sog. „Buddys“ zugeteilt bekommen, das sind spanische Studenten, die uns helfen sollen, uns hier zu recht zu finden. Witzigerweise sind Daniel (Sebastians Buddy) und Laura (Connis Buddy) ebenfalls ein Paar! Und Daniel haben wir nun gestern zum ersten Mal kennen gelernt – und zum ersten Mal über eine Stunde eine Unterhaltung auf Spanisch geführt. Es ging erstaunlich gut! Wir brauchten sehr wenig Wörterbuch-Hilfe, haben nur selten aufs Englische zurück gegriffen und uns ansonsten mit Händen und Füßen verständigt. Aber: es war anstrengend. Wir hatten beide danach das Gefühl, einen Knoten im Hirn zu haben...
Über die Osterfeiertage haben wir nun frei, und genießen diese mit Connis Eltern, die mit der 89jährigen Oma für die Osterferien hierher gekommen sind.
Felices Pascuas a todo!
C und S
2 Kommentare:
Schön, dass wir eine zeitlangmit Euch in Spanien verbringen können und alles "live" miterleben.
MaPa
Frohe Ostern Euch allen! Liebe Gruesse!
Uta
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