Sonntag, 27. Juni 2010

Hogueras de San Juan

Unsere letzte Woche Alicante neigt sich dem Ende zu. Nach den vielen „unspektakulären“ Wochen in den letzten 3 Monaten haben wir nun die spektakulärste Woche miterlebt, die Alicante das ganze Jahr über zu bieten hat. Die „Hogueras“ fanden statt. Mit „Hogueras de San Juan“ (oder „Fogueres de Sant Joan“, wie es auf Valencianisch heißt) wir eigentlich nur das Freudenfeuer bezeichnet, das zu Ehren des Heiligen Johannes am Johannistag, dem 24. Juni, stattfindet. Hier in Alicante wird daraus jedoch eine typisch spanische Fiesta veranstaltet, die die Stadt für gut eine Woche in einen Ausnahmezustand versetzt.
Die ersten Vorboten haben wir schon mitbekommen, als Manuel und Yvonne noch da waren; in der mit Lichtern geschmückten Stadt fand eine Parade statt, die unserem deutschen Fasching/Karneval ähnlich war. Jeden Abend fanden Stierkämpfe statt, die mit großen Plakaten beworben wurden, und gegen Ende des Besuches der beiden wurden die ersten Figuren aufgebaut. Figuren? Ja! Innerhalb weniger Tage wurden in ganz Alicante bis hinaus nach San Juan (wo ja unser Krankenhaus ist) haushohe Pappmache-Statuen aufgestellt. Liebevoll gestaltet bis ins kleinste Detail waren sie allesamt eindrucksvoll Kunstwerke
.
Auf großen Plätzen oder an Kreuzungen konnte man sie bewundern. Wir haben nicht immer ganz verstanden, was sie ausdrücken sollen und einige haben uns – ehrlich gesagt – auch nicht zugesagt; da aber der Aufwand, der in jeder einzelnen Figur steckt, deutlich zu sehen ist, und Kunst, welcher Art auch immer, Geschmackssache ist, haben wir alle bewundert, die wir bei einem abendlichen Spaziergang entdecken konnten.
Auch die Paraden gingen weiter: zwei Tage lang war die „Rambla“, die bekanteste und eine der größten Strassen hier komplett für Autos gesperrt. In aufwendig geschmückten und bestickten, traditionellen Kostümen liefen Hunderte von Frauen und Männern stolz durch ihr Alicante. Auch kleine Kinder liefen mit, mal etwas schüchtern, mal sehr begeistert aber immer unglaublich süß in ihren tollen Trachten. Die fröhliche Marschmusik sorgte bei allen für eine gute Stimmung, von der wir uns nur zu gern anstecken ließen.
Am Dienstag abend waren wir einmal mehr mit den Leuten aus Connis WG unterwegs, gemeinsam gingen wir gemütlich etwas im „Barrio“ trinken, bevor wir weiter in eine der „Barracas“ gingen, die gleich neben unseren Wohungen war. Diese „Barracas“ waren ebenfalls in der gesamten Stadt zu finden: kleine oder größere, abgetrennte Bereiche, in denen gegessen, getrunken und getanzt wurde. Da wir am Mittwoch und Donnerstag frei hatten, wurde es bei den herrlich sommerlich, milden Temperaturen im Freien doch etwas später.
Am Donnerstag dann, dem Johannistag, verbrachten wir einen Teil des Nachmittages am Strand von San Juan, der mit seinen 3km Sand in einer Art Bucht wunderschön gelegen ist. Bei tollen Wellen genossen wir es einfach, frei zu haben, und so die Möglichkeit zu haben, das tolle Wetter am Meer ausgiebig nutzen zu können!
Abends war dann das oben erwähnte Freudenfeuer. Pünktlich um 24 Uhr wurde die Figur, die am Rathaus von Alicante stand, nach einem Feuerwerk in Brand gesetzt. Wir waren allerdings nicht dort dabei, sondern standen am Hafen, wo eine der größten – und für unseren Geschmack auch die schönste! – Figur auf einer Plattform auf dem Wasser trieb. Mit Tausenden von anderen Schaulustigen beobachteten wir eine Weile später, wie dieses Kunstwerk in Flammen aufging. Es brantte lichterloh und wir spürten die Hitze trotz einiger Entfernung deutlich. Eigentlich ist es unheimlich schade, diese Hogueras-Figuren zu verbrennen, nachdem so viel Zeit und Energie investiert wurde, um sie fertig zu stellen. Es ist aber nun mal Tradition...
Nachdem der Brand auf dem Meer weitestgehend gelöscht bzw verglüht war, machten wir uns auf den Weg zu weiteren Figuren. 2, die wir tags zuvor noch bestaunt hatten, lagen auch schon in Schutt und Asche, wir sahen nur noch ein wenig Glut. Eine etwas kleinere, die mitten zwischen den Häusern stand, erwischten wir aber noch rechtzeitig und bekamen mit, wie auch diese angezündet wurde und verbrannte... Begleitet von Party Musik aus den vielen „Barracas“ um uns herum machten wir uns dann aber auf den Heimweg, da sowohl wir, als auch die Mitbewohner, mit denen wir gemeinsam unterwegs waren, am kommenden Tag arbeiten mussten.

Der Freitag schleppte sich dann auch eher so hin, weil einfach alle müde waren, und so nahmen wir an einer weiteren spanischen Tradition teil und hielten am Nachmittag Siesta. Da aber, nachdem alle Hogueras-Figuren verbrannt sind, die Alicantiner noch immer Lust zum Feiern haben, wird in den folgenden Nächten ein Feuerwerks-Wettbewerb ausgetragen. Mit Laura und Dany, den spanischen Erasmus-Buddys, die inzwischen zu Freunden geworden sind, gingen wir an den Strand von Alicante, der so voll war, dass man kaum mehr stehen konnte. Alle schauten gebannt Richtung San Juan, wo das Feuerwerk stattfinden sollte. Wiederum um Mitternacht ging es dort los. Eine Viertelstunde lang erhellten bunte Lichter, besondere Formationen, explodierende Raketen die Wellen auf dem Meer und die Schiffe, die sich vor dem Strand eingefunden hatten, um das Spektakel zu bestaunen. Das Feuerwerk war schön, als Highlight wurde zum Schluss von San Juan ausgehend eine lange Kette kleinerer Feuerwerkskörper bis zu uns nach Alicante entzündet. Mit einem großen Knall endete dann alles. In ausgelassender Stimmung zogen wir mit vielen, vielen anderen weiter. Es verschlug uns zunächst in eine kubanische Cocktail Bar wo wir mit Begeisertung Laura und Dany zusahen, die Salsa tanzten. Dany konnte man sein kubanisches Blut deutlich ansehen: der Rhythmus wurde ihm in die Wiege gelegt und er tanzt mit einer Selbstverständlichkeit, die uns neidisch werden lies. Um uns aber noch ein wenig besser zu unterhalten, verließen wir die Bar auch bald wieder und setzten uns in einer spanischen Biergarten-Variante im Freien zusammen. Wieder bis gegen 3 hielten wir durch, bevor die Augenlider schwerer und das Spanisch sprechen schwieriger wurde.

Nachdem wir heute, ganz gegen unsere Gewohnheit , lang ausgeschlafen hatten, trafen wir uns mit zwei der Kanadier aus Connis WG und gingen zunächst zum Mercado Central, einem überdachten Markt, in dem man vor allem Lebensmittel bekommen kann, dies aber in allen erdenklichen Varianten – Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Brot, Honig und Nüsse sind nur einige Beispiele. Unser nächstes Ziel war ein weiterer Markt: der mittelalterliche Markt, der dieses Wochenende in der Altstadt stattfindet. Durch die wunderschön dekorierten Gassen schlenderten wir entlang an den Buden, die sehr liebevoll und stilecht mittelalterlich ihre Waren feilboten. Sogar in mittelalterlich anmutende Gewänder hatten sich die Verkäufer gehüllt. Es hat rictig Spaß gemacht, über diesen Markt zu spazieren, die vielen Gerüche und Farben, Musik und andere Geräusche zu erleben!

Für den Rest des Tages heute ist Packen angesagt: morgen früh wird Sebastian seine Wohnungsschlüssel zurückgeben, am Montag Conni. Montag ist auch zugleich unser letzter Arbeitstag im Krankenhaus. Am Nachmittag /Abend machen wir uns auf den Weg nach Moraira, um dort am Dienstag all unsere Sachen zusammen zu packen, bevor wir uns dann am Mittwoch auf die Rückreise nach Deutschland machen...
Soweit die Berichterstattung über eine wirklich „spektakuläre“ Abschieds-Woche in Alicante.
Hasta luego, chicos!
C&S

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ein wieder super interessanter Bericht und viele tolle Bilder. Wir haben gerne von der Ferne miterlebt, was Ihr erlebt habt , freuen uns aber umso mehr wieder auf Euch.
Bussi Mapa